Die Kranz'sche Sippe
  Wasserleiche
 
Tod des Peter Neu

Benrath, am 12.10.1824

Auf die von dem Bürgermeister zu Benrath unterm 10. des Monats über das Anlanden einer Leiche am Rheinufer zwischen Benrath und Urdenbach an die Staatsbehörde gemachten Anzeige, verfügten wir Adam von Daniels, Landgerichtsrat und Instructionsrichter uns heute nachmittag drey Uhr, in Begleitung des königlichen Prokurator Varenkamp und in Zustand des Actuars Tappermann, hierhin, woselbst sich auch zu diesem Termin gehörig eingeladene Kreisärtzte med. Dr. Bongard und legaler Wundartzt Willmann einfanden.

Nachdem die Zeugen ausgemittelt waren, welche über den Tod des Verunglückten die nächste Auskunft geben konnten, wurde denselben aufgegeben, sich mit uns dorthin zu begeben, wo die Leiche angetrieben sey, um dieselbe in Augenschein zu nehmen.

Der Polizeidiener Opladen zeigte uns hierauf vom Ufer des Rheins zwischen Benrath und Urdenbach eine an den Weiden festgebundene männliche Leiche vor, welche wir unter gehöriger Bewachung antrafen.

Dieselbe war mit einem blauen Kittel, einer blauen leinenen Hose, einer wollekalt Weste und weiß wollenen Socken bekleidet, auch fanden sich an einem Fuß derselben ein Holzschuh.

Der Verlebte schien das Alter von etwa dreißig Jahren erreicht zu haben, hatte blonde Haare, blaue Augen und war ungefähr fünf Fuß groß. Nachdem derselbe entkleidet worden, war keine äußere Verletzung an dem Körper wahrzunehmen, es fand sich jedoch daß die Brust stark aufgetrieben, daß Gesicht angeschwollen, und die Zunge zwischen den Zähnen eingeklemmt war.

Die Herren Sachverständigen:
1.) Johann Heinrich Bongard 42 Jahre alt, Kreisphysiker zu Düsseldorf
2.) Heinrich Joseph Willmann, 42 Jahre alt, legaler Wundartzt zu Düsseldorf, gaben hierauf ihr Gutachten dahin ab, daß der Verlebte nach den eben angegebenen Anzeigen den Todt des Ertrinkens gestorben sey, daß aber wegen der bereits eingetretenen starken Verwesung eine Obduktion derselben nicht möglich sey.

Diesernach wurden nachbenannte Zeugen, welche bey der Leichenbesichtigung anwesend waren vernommen, wie folgt:

1.) Ich heiße Heinrich Rötzheim, bin 51 Jahre alt, Korbmacher und Taglöhner zu Baumberg.
Zur Sache: Die mir vorgezeigte Leiche ist jene meines verunglückten Schwiegersohns Peter Neu, derselbe war 32 Jahre alt, seines Gewerbes ein Korbmacher und Taglöhner, und wohnte bey mir im Hause. Über daß ihm zugestoßene Unglück kann mein Sohn die beste Auskunft ertheilen.

(Vorgelesen, genehmigt und erklärte Zeuge nicht schreiben zu können) von Daniels, Tappermann

2.) Ich heiße Wilhelm Rötzheim, bin 24 Jahre alt, Sohn des Heinrich Rötzheim, Korbmacher zu Baumberg.
Zur Sache: Ich habe die mir vorgezeigte Leiche genau in Augenschein genommen, kenne sie mit Bestimmtheit für jene meines verlebten Schwagers Peter Neu. Derselbe war in der Nacht vom Freitag auf den Samstag nemlich vom 1.sten auf den 2.ten diesen Monates bey Baumberg mit mir in den Rhein gefahren, und fiel beym Fischen in der Gegend vom hohen Hofe aus dem Nachen plötzlich ins Wasser. Aller angewandten Mühe ungeachtet konnte ich ihn nicht wieder auffinden. Von diesem Zeitpunkte an haben wir alle Tage im Rheine denselben aufgesucht, bis gestern Morgen der Polizeidiener Opladen uns die Nachricht brachte, daß er die Leiche meines verlebten Schwagers hier im Rheine gefunden habe, worauf wir uns gleich hierhin verfügt, und solche als die meines verunglückten Schwagers anerkannt haben.

(Vorgelesen, genehmigt und unterzeichnet) Wilhelm Rötzheim, von Daniels, Tappermann

3.) Ich heiße Joseph Opladen, bin 61 Jahre alt, Polizey-Diener zu Urdenbach.
Zur Sache: Die fragliche Leiche habe ich am verwichenen Sonntage Nachmittags zwischen drey und vier Uhr, am Rheinufer vorgefunden. Ich habe solche hierauf festgebunden, und da ich gehört, daß ein gewisser Peter Neu zu Baumberg in den Rhein gefallen der Familie desselben gleich davon die Anzeige gemacht.

(Vorgelesen, genehmigt und unterzeichnet) Opladen senior, von Daniels, Tappermann Voriger
 
   
 
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